Die meisten WordPress Websites sehen dank vorgefertigter Themes zwar sehr hübsch aus, doch wenn es um das Thema der Barrierefreiheit (Accessibility) geht, ist schnell Schluss mit lustig. Das liegt ganz einfach daran, dass kaum ein Blogger ernsthaft darüber nachdenkt, wie er seinen Blog möglichst barrierefrei gestalten kann. Doch genau das ist wichtig, um allen Nutzern gerecht zu werden.
Zum einen, weil Barrierefreiheit in einigen Ländern rechtlich verankert ist, um niemanden auszuschließen. Zum anderen aber auch, weil der eigene Anspruch stets sein sollte, niemanden zu benachteiligen, nur weil er*sie mit einer Behinderung lebt. Letztere haben dabei mehr, als viele glauben, und tatsächlich sind es auch die Sehschwächen oder Probleme bei der Motorik, die dafür sorgen können, dass eine Website nicht vollkommen barrierefrei erscheint.
Dann können Nutzer*innen das Angebot nicht vernünftig bedienen und finden sich auf der Website schlecht zurecht. Um genau solche Fälle zu vermeiden und der eigenen Ethik zu folgen, niemanden auszuschließen, gilt es, barrierefrei mit seiner WordPress Website aufzutreten. Wie das in Verbindung mit dem CMS gelingt und worauf ihr dabei achten solltet, möchte ich im heutigen Artikel thematisieren.
Was ist die Definition von Barrierefreiheit?
Nun sollte jedem von euch klar sein, dass die Barrierefreiheit in erster Linie Menschen mit einer Behinderung betrifft. Diese sollen, durch Funktionen für entsprechende Barrierefreiheit, eine Website besser bedienen, lesen und verstehen können. Das jedoch wäre zu kurz gedacht, denn Barrierefreiheit erreicht mehr Personen, als nur diejenigen mit Behinderung. Sie deckt auch Personen ab, die anderweitige Beeinträchtigungen und somit Schwierigkeiten haben.
An dieser Stelle möchte ich kurz aufzeigen, für welche Nutzergruppen die Barrierefreiheit eine Rolle spielt. Das ist wichtig zu definieren, damit wir immer dasselbe meinen, wenn wir den Begriff Barrierefreiheit verwenden. Bei den folgenden Problemen hilft die Barrierefreiheit auf WordPress Websites. In Klammern wird das Problem der Personengruppe kurz und knapp erklärt.
- Kognitive Einschränkungen (Beeinträchtigungen der Wahrnehmung, Probleme beim Verstehen komplexer Zusammenhänge)
- Motorische Beeinträchtigungen (Unruhe, Zittern, unkontrollierbare körperliche Regungen)
- Schwerhörigkeit (Schwerhörige oder gehörlose Menschen, die wenig oder gar nicht mehr hören können, also vielleicht auch taub sind)
- Sehbehinderung (Blinde Menschen, aber auch Menschen mit Sehschwäche oder Problemen Farben richtig zu erkennen)
- Technischen Problemen (Alte Computersysteme oder langsame Internetverbindungen, welche die Nutzung einer Website stark beeinträchtigen können)
- Temporäre Einschränkungen (Knochenbrücke oder Verletzungen, die dazu führen, dass eine Bedienung temporär schwierig wird)
- Zunehmendem Alter (Im hohen Alter fehlt oft das Verständnis für moderne Systeme, die Sehkraft lässt nach und es kommen weitere Alterserscheinungen dazu)
Die Probleme und Beeinträchtigungen können also unglaublich vielfältig sein und dafür sorgen, dass Websites nicht richtig bedient, gelesen oder Elemente nicht korrekt erkannt werden können. Doch wie hilft die Barrierefreiheit dabei, diesen Umstand entsprechend zu verbessern?
Wie hilft Barrierefreiheit Menschen mit Behinderung?
Die Möglichkeiten, die Menschen mit Beeinträchtigungen oder Behinderungen haben, sind heute größer als jemals zuvor. Personen mit Sehbehinderung beispielsweise, nutzten Screenreader, um Websites zu konsumieren. Sie verändern Textgrößen und Kontraste und all das sollte jederzeit problemlos möglich sein, um ihnen den Konsum einer Website möglichst einfach zu gestalten.
Gehörlose Menschen hingegen benötigen in Videos unbedingt Untertitel und Transkriptionen bei reinen Audioinhalten. Möglichst einfache Sprache oder Zusammenfassungen helfen zudem Menschen mit kognitiven Schwierigkeiten. Sprachbefehle wiederum ermöglichen es motorisch eingeschränkten Personen, auf alle Bereich einer Website jederzeit problemlos zugreifen zu können.
Auch alte Menschen profitieren von der Barrierefreiheit. Denn auch sie benötigen andere Textgrößen oder besonders einfache Menüs, da sie das Konzept von Hamburger Menüs beispielsweise gar nicht kennen und nicht wissen, dass die drei Striche ein Menü öffnen. Häufig sind es solche Kleinigkeiten, die für mehr Barrierefreiheit sorgen. Sie müssen bei der Erstellung einer Website nur entsprechend bedacht worden sein.
Barrierefreiheit ist jetzt Pflicht: das Barrierefreiheitsgesetz / EAA
Barrierefreiheit war lange ein „nice to have" – seit dem 28. Juni 2025 ist sie für viele Unternehmen Gesetz. Mit dem Barrierefreiheitsgesetz (BaFG), der österreichischen Umsetzung des European Accessibility Act (EAA), müssen bestimmte digitale Angebote barrierefrei sein.
Betroffen sind vor allem Dienstleistungen im elektronischen Geschäftsverkehr für Verbraucher – allen voran Online-Shops und WooCommerce-Stores. Weitgehend ausgenommen sind Kleinstunternehmen (unter 10 Mitarbeitende und höchstens 2 Mio. € Jahresumsatz), die Dienstleistungen anbieten. Der technische Maßstab ist die Norm EN 301 549, die sich an den WCAG orientiert.
Kurz: Wenn ihr online an Konsument:innen verkauft, solltet ihr das Thema ernst nehmen – nicht nur wegen möglicher Verwaltungsstrafen, sondern weil ihr sonst real Kund:innen ausschließt.
Das ist eine allgemeine Orientierung und keine Rechtsberatung. Unsicher, ob ihr betroffen seid oder wie ihr eure Seite auf Stand bringt? Wir können eure WordPress-Seite barrierefrei machen – vom Audit bis zur Umsetzung.
Wie sieht Barrierefreiheit in WordPress aus?
Zunächst einmal, indem darauf geachtet wird, dass das verwendete WordPress Theme »Accessibility Ready« ist. Die Kennzeichnung gibt an, dass das Theme den Richtlinien für Barrierefreiheit folgt und dementsprechend WCAG (Web Content Accessibility Guidelines) konform ist. Bei den Plugins sollte außerdem darauf geachtet werden, dass es Fallbacks für komplexe Mechanismen wie Slider, Videoboxen und vor allem auch Formulare gibt.
Inhaltlich solltet ihr darauf achten, beim Schreiben von Artikeln die korrekten Überschriften (H1 bis H6) zu verwenden. Nutzt überhaupt immer die vorgesehenen HTML-Elemente, beispielsweise für Listen und Bilder. Bei den Bildern sind Alt-Texte zudem Pflicht und Links mit Beschreibung helfen ebenfalls bei der Barrierefreiheit. Je weniger komplex und je klarer eine WordPress Website strukturiert ist, umso barrierefreier erscheint sie für die Besucher.
Menschen mit Behinderung können nicht immer eine Maus halten. Websites bedienen diese Personengruppen mittels Tastatur oder Controller, weshalb Fokuspunkte hier besonders wichtig sind. Mit solchen wechseln beeinträchtigte Menschen dann auch die Formulare, um ein Feld nach dem anderen ausfüllen zu können. Labels bei den Eingabefeldern helfen dem Verständnis ebenso.
Zu guter Letzt spielen auch Farbkontraste eine extrem große Rolle. Unzählige Menschen leiden unter einer Sehschwäche oder haben Probleme damit, Farben korrekt zu unterscheiden. Je weniger schwach die Kontraste sind, umso besser lesbar werden sie. Tools wie WhoCanUse zeigen sehr deutlich auf, welche Beeinträchtigungen von bestimmten Farbwahlen betroffen sind. Ein wunderbares Tool, um mehr Verständnis für die Sache selbst zu bekommen und zu verstehen, was das eigentliche Problem ist.
Gibt es WordPress Plugins für mehr Barrierefreiheit?
WordPress wäre allerdings nicht WordPress, wenn es nicht auch für die Barrierefreiheit entsprechende Plugins liefern würde. Genau wie die Accessibility Ready WordPress Themes, gibt es auch Erweiterungen, die sich um die Barrierefreiheit nach WCAG kümmern und demnach eine Vielzahl an Beeinträchtigungen abdecken und entsprechende Lösungen innerhalb von WordPress bereitstellen.
Wichtig ist zu verstehen, dass diese Erweiterungen meist nur bestehende Websites verbessern, jedoch keinesfalls eine volle Barrierefreiheit liefern. Es geht bei den WordPress Plugins für mehr Barrierefreiheit eher darum, dass auch WordPress Themes, die von Haus aus eben nicht barrierefrei gestaltet wurden, in dieser Hinsicht stark verbessert werden. Wer wirklich barrierefrei auftreten möchte, muss jedoch mehr tun als nur ein Plugin zu installieren.
WP-Accessibility
https://de.wordpress.org/plugins/wp-accessibility/
Eines der besten WordPress Plugins für mehr Barrierefreiheit ist sicherlich das WP-Accessibility Plugin. Das fügt unter anderem Skip Links hinzu, hilft bei der Navigation per Tastatur, entfernt Attribute, die sonst versehentlich vom Screenreader vorgelesen werden würden sowie noch einiges mehr. Schaut es euch ruhig mal genauer an und prüft, wie gut es sich für eure WordPress Website eignet.
One Click Accessibility
https://de.wordpress.org/plugins/pojo-accessibility/
Mit dem One Click Accessibility Plugin für WordPress fügt ihr eine Art Zugänglichkeitsmenü hinzu. Anwendende Personen mit Beeinträchtigungen können darüber die Kontraste ändern oder die Größe des Textes relativ frei anpassen. Außerdem fügt die Erweiterung noch verschiedene andere Funktionen für mehr Barrierefreiheit hinzu, die Personen mit Behinderungen entsprechend helfen werden, eure Website besser bedienen und nutzten zu können.
WP Accessibility Helper
https://de.wordpress.org/plugins/wp-accessibility-helper/
Mögliche Barrieren auf WordPress Websites erfolgreich zu entfernen, ist auch das Ziel des WP Accessibility Helper Plugins. Selbiges kann einen Kontrastmodus aktivieren, die Lesbarkeit verbessern oder Animationen entfernen sowie noch vieles mehr. Die Erweiterung öffnet sich über ein Menü, in dem die Anwendende Personen mit einer Behinderung entsprechende Optionen festlegen können, um die WordPress Website für sie persönlich angenehmer zu gestalten. Sehr hilfreich, da hier jeder individuell seine persönlichen Schwächen ausgleichen kann.
Wie kann ich die Barrierefreiheit testen?
Neben den Plugins, die Funktionen für mehr Barrierefreiheit integrieren, gibt es auch noch einige Online-Tools, die euch dabei unterstützen können, eure WordPress Website barrierefreier zu gestalten. Zuvor hatte ich bereits WhoCanUse erwähnt, doch selbiges kümmert sich tatsächlich nur um die Farben und Kontraste. Die sind zwar notwendig, stellen aber nur einen recht kleinen Teil der Barrierefreiheit dar.
Hilfreicher ist da schon WAVE, welches im Grunde alle Bereiche der jeweiligen WordPress Website genauer analysiert und Probleme wie auch Schwächen am Ende deutlich aufzeigt. Durch den Test und die verlinkten Hinweise zu den Ergebnissen, sollte rasch klar werden, wo noch eventuelle Schwachstellen in Bezug auf die Barrierefreiheit zu finden sind und wie ihr diese bestmöglich beheben könnt.
Eine Website, welche die ganze Sache einfach macht, ist Accessibilitytest.org. Dort wird die Barrierefreiheit am Ende mit einer Punktzahl ausgegeben. Die ist direkt zu verstehen und daher auch überaus nützlich. Außerdem lassen sich die verschiedenen Tools (WAVE, axe, AudioEye), die für die Punktzahl herangezogen werden, auch entsprechend einzeln auflisten, sodass eine Mängelliste entsteht, die abgearbeitet werden kann.
Warum ist Barrierefreiheit so wichtig?
Inklusion, Chancengleichheit, Gendergerechtigkeit, es gibt viele verschiedene Begriffe, die für mehr Barrierefreiheit stehen. Das muss nicht immer nur Behinderungen betreffen, meint in aller Regel aber die Anpassung von Websites für Menschen mit Beeinträchtigungen. Davon gibt es sehr viele, weshalb Barrierefreiheit auch keine Nebensache mehr ist, sondern für viele Unternehmen ein wichtiges Anliegen wurde.
Ging die Weltgesundheitsorganisation (WHO) lange davon aus, dass rund 10 Prozent der Weltbevölkerung eine Behinderung aufweisen, nennen die neusten Zahlen dazu eher 15 Prozent. Damit ist ungefähr jeder 7. Mensch auf der Welt entsprechend beeinträchtigt. Ihr könnt euch also vorstellen, wie viele Personen mit Behinderung auf eure WordPress Website stoßen und diesen ebenso lesen und bedienen möchten, wie all die Menschen ohne Behinderung.
Wichtig ist Barrierefreiheit aber nicht nur für Menschen mit Behinderung. Sie stellt nur sicher, dass diese eure WordPress Website mit ihren Hilfsmitteln korrekt bedienen können. Barrierefreiheit hilft aber zum Beispiel auch dabei, dass alte Menschen sich besser zurechtfinden und die Nutzerfreundlichkeit allgemein stark ansteigt. Denn meist fördert das Nachdenken darüber, wie Nutzer eine Website erleben und wo Schwächen in der Navigation, Bedienung oder ähnlichem zu finden sind, automatisch auch die allgemeine Bedienbarkeit.
Barrierefreiheit hilft am Ende also schlichtweg allen und ist berechtigterweise mehr und mehr in den Mittelpunkt moderner WordPress Websites gerückt. Verschlaft das Thema also nicht, sondern sorgt schon heute dafür, dass sich bei auch alle Personengruppen entsprechend wohlfühlen. Solltet ihr Unterstützung oder Beratung bei der Anpassung von WordPress in Hinsicht auf die Barrierefreiheit benötigen, dürft ihr euch gerne bei mir melden.
weitere Links:
- https://www.verdure.de/magazin/strategie/barrierefreiheitsstarkungsgesetz-websites-2025-bfsg-bitv-wcag/
- https://www.whocanuse.com/
- https://wave.webaim.org/
- https://accessibilitytest.org/
- https://chrome.google.com/webstore/detail/wcag-color-contrast-check/plnahcmalebffmaghcpcmpaciebdhgdf
- https://chrome.google.com/webstore/detail/wave-evaluation-tool/jbbplnpkjmmeebjpijfedlgcdilocofh
10 Tipps für mehr Barrierefreiheit
Es ist häufig gar nicht so schwer, mit ein paar kleinen Handgriffen die Barrierefreiheit im eigenen Blog maßgeblich zu verbessern. Das Problem bei vielen Bloggern ist vielmehr, dass diese zum einen nicht wissen, wie wichtig Barrierefreiheit sein kann, zum anderen aber auch gar nicht darüber nachdenken, warum diese so wichtig ist. Barrierefreiheit scheint etwas zu sein, an das leider nur Profis denken, während die Laien in WordPress schon zufrieden sind, wenn sie das CMS mitsamt einem schicken Theme installiert und zum Laufen gebracht haben. Deshalb mache ich auch immer wieder gerne darauf aufmerksam.
Hier zeige ich euch nun zehn einfache Dinge, die wirklich jeder Blogger problemlos umsetzen kann und daher auch umsetzen sollte, um die Zugänglichkeit in seinem WordPress Blog deutlich zu optimieren. Und keine Sorge. Das sind keine allzu komplizierten Methoden, sondern ganz einfache Dinge, die schnell und einfach von jedem realisiert werden können. Sachen also, die kein weiteres Fachwissen von euch verlangen und auch keinen allzu großen zeitlichen Einsatz erfordern. Also los, worauf wartet ihr noch?
1. Notwendige Standards und Richtlinien einhalten
Es gibt für Websites unterschiedliche Richtlinien und Standards, die bemüht sind, die Zugänglichkeit von Internetseiten entsprechend zu verbessern. Bekannt dürfte den meisten das World Wide Web Consortium (W3C) sein, welches sich dem »Web für alle« widmet. Aber auch die Web Accessibility Initiative (WAI) oder die Web Content Accessibility Guidelines (WCAG), also die Richtlinien für Barrierefreiheit von Webinhalten, sollen euch etwas sagen.
All diese Standards und Richtlinien gibt es nicht ohne Grund. Sie sollen dafür sorgen, dass Zugänglichkeitsstandards die Implementierung vereinfachen. Das Web ist für alle da und niemand sollte vergessen und damit ausgeschlossen werden. Die Standards sind übrigens nicht immer nur im Zuge der Barrierefreiheit zu beachten. Auch ganz allgemein ist es sinnvoll und hilfreich, sich an gängige Modelle zu halten.
2. Barrierefreiheit von Menschen testen lassen
Für die eben erwähnten Standards und Richtlinien gibt es jede Menge Online-Tools, die überprüfen, ob selbige eingehalten werden. Egal, ob es um passende Kontraste geht oder darum, semantisches HTML zu verwenden. Das ist auch schön und gut für eine schnelle Überprüfung, ersetzt aber niemals den Test durch einen echten Menschen.
Wer Kontakte in diesem Bereich hat, sollte einfach mal fragen. Je nach Größe der Website kann es durchaus Sinn ergeben, einfach mal bei einer Schule oder Hilfe von Menschen mit Beeinträchtigungen zu fragen. Oder aber auch im Altersheim. Dort sind Menschen, die nicht mehr richtig gut sehen, kaum noch hören oder andere Defizite haben. Warum nicht die Fragen, die im Alltag wirklich Probleme im Internet haben? Nicht immer muss kompliziert gedacht werden, manchmal liegt die Lösung nebenan.
Wer nicht so mutig und offen ist, findet aber auch Agenturen, die darauf spezialisiert sind. Sogenannte Accessibility Tests helfen dann dabei, die tatsächlichen Probleme zu fokussieren und auszumerzen. Persönlich mag ich den Kontakt mit echten Menschen bei solchen Tests, weil nur diese einem sehr ehrlich und direkt aufzeigen, warum bestimmte Dinge ein Problem für sie sind. Oft sieht man schon beim Beobachten, wo problematische Bereiche liegen und womit Menschen zu kämpfen haben, bei denen eben nicht alles so funktioniert, wie bei uns. Das ist auch zwischenmenschlich unglaublich interessant, aufschlussreich und daher absolut empfehlenswert.
3. Barrierefreie WordPress Themes verwenden
Das Team für Barrierefreiheit von WordPress.com hat im Theme-Verzeichnis eine Auswahl an Barrierefreien WordPress Themes zusammengestellt. Bei Barrierefreien WordPress Themes wird darauf geachtet, dass die Kontraste den WCAG-Anforderungen entsprechen, alles via Tastatur navigierbar ist, ARIA-Rollen vergeben, ein semantisches Markup verwendet wurde und noch einiges mehr.
Wer jetzt denkt, dass barrierefrei automatisch auch langweilig heißt, der irrt sich gewaltig. Wie ihr sehen werdet, gibt es viele überaus aufwendige und eindrucksvolle WordPress Themes, die trotz oder gerade durch ihre Barrierefreiheit ein entsprechendes klares Design aufweisen. Schaut mal in die verlinkte Liste. Unter den 100 barrierefreien WordPress Themes sollte nämlich auch für eure Zwecke genau das richtige Theme dabei sein.
4. Plugins für mehr Barrierefreiheit nutzen
Super an WordPress ist unter anderem, dass es für wirklich jeden Einsatzzweck ein passendes Plugin gibt. Auch für die Barrierefreiheit. Neben den Accessibility Ready WordPress Themes helfen die Erweiterungen dabei, die Barrierefreiheit eurer Website zu verbessern. Wichtig ist dabei allerdings das Wort »verbessern«, denn nur durch ein Plugin wird euer WordPress Blog nicht wie von Zauberhand barrierefrei. Dieser Illusion dürft ihr euch nicht hingeben. Stattdessen dienen die Erweiterungen dazu, grundsätzliche Werkzeuge hinzuzufügen, die Menschen mit Beeinträchtigungen dabei helfen können, sich auf eurer Website zurechtzufinden.
Zu nennen wären WP-Accessibility, One Click Accessibility und WP Accessibility Helper. Alle drei Plugins habe ich euch hier im Artikel bereits genauer vorgestellt und verlinkt. Neben einem Zugänglichkeitsmenü gibt es oft auch bestimmte Modi für mehr Kontrast. Doch wie schon erwähnt, wird eure Websites dadurch nicht automatisch komplett barrierefrei, sondern nur ein wenig barrierefreier. Behaltet das unbedingt im Hinterkopf.
5. Farbkontraste nicht nach Schönheit wählen
Wer nur eine Sache umsetzen kann oder möchte, sollte sich definitiv für die Farbkontraste entscheiden. Denn schlecht gewählte Farben sind für viele Menschen, mit Schwierigkeiten beim Sehen, einer der Hauptgründe dafür, warum Elemente nicht wahrgenommen oder Texte nicht richtig gelesen werden können. Viele machen die Sache hier schwieriger, als sie sein müsste. Dabei wäre es doch so einfach, von Anfang an klare Farben zu wählen, die sich entsprechend voneinander abheben.
Die Standards für Barrierefreiheit im Internet sehen bei normalem Text einen Kontrast von 4,5 zu 1 vor. Das meint nichts anderes, als dass der Text 4,5 Mal heller sein sollte als sein Hintergrund. Für große Texte wird hingegen 3 zu 1 empfohlen. Aber auch hier darf es ruhig etwas mehr sein. Wer das mal testen möchte, kann die von ihm gewählten Farben einfach in den Contrast Checker von WebAIM eintragen. Dort wird dann auch gleich schon automatisch angezeigt, ob die Anforderungen entsprechend erfüllt sind. Ziemlich praktisch.
6. Bilder und Videos mit Unterschriften und Untertiteln versehen
Streng genommen sind Bildunterschriften optional, doch sie helfen eigentlich immer, auch bei Menschen ohne Beeinträchtigung, das Verständnis entscheidend zu verbessern. Manchmal können Bilder nicht geladen werden. In solch einem Fall hilft die Bildunterschrift dabei, den Inhalt trotzdem zu verstehen. Andere Menschen können Bilder eventuell schlecht oder gar nicht mehr richtig sehen, sodass die Bildunterschrift für Aufklärung sorgt. Und wieder andere erkennen das Bild einfach nicht richtig, sodass auch hier nur die Bildunterschrift für das notwendige Verständnis bleibt.
Bei Videos ist es ähnlich. Auch die erhalten im Idealfall einen beschreibenden Text, der schon einmal etwas darüber aussagt, was im Video zu sehen ist. Idealerweise setzt ihr zudem Untertitel ein. Wer schlecht hört oder vielleicht auch gar nicht, kann sich das Video dann dennoch anschauen und verstehen, worum es dort geht. Untertitel sind auch dann praktisch, wenn Besucher die Videos gerade nicht laut hören können, aber trotzdem ansehen möchten.
7. Formularfelder korrekt beschriften und beschreiben
Formulare auf Websites sollten besonders zugänglich sein, damit diese korrekt ausgefüllt werden können. Das gilt aber auch für Menüs, Schaltflächen, Buttons, Input- oder Textfelder sowie alles andere dieser Art. Vergesst nie, diese speziellen Felder auch entsprechend zu beschriften und zu beschreiben. Bei Formularen sind es unter anderem die Labels, die hier eine beschreibende Funktion haben. Achtet zudem darauf, dass ihr die Standards einhaltet und Formulare so barrierefrei wie nur möglich zu gestalten.
8. Überschriften strukturiert mit H1 bis H6 Tags anlegen
Überschriften sind nicht einfach nur fett gedruckte Wörter, sondern HTML-Tags von H1 bis H6. Nutzt diese umfangreich und überall in euren Beiträgen. Die Überschrift-Tags lassen einen Beitrag in eurem Blog nicht nur lesbarer werden, da sie die entsprechende Formatierung mitbringen, sie sorgen auch für mehr Zugänglichkeit, weil sie von Screenreadern entsprechend erkannt und als Überschrift interpretiert werden können.
Immer wieder erlebe ich, dass Blogger gar nicht wissen, was diese Überschriften genau sind und bedeuten. Sie denken dann, es wäre nur eine Art der Darstellung, also, ob ein Text groß oder klein angezeigt wird. Dem ist aber ganz und gar nicht so. H1 bis H6 Tags sind essenziell für mehr Lesbarkeit und eine klare Struktur verantwortlich, nicht nur was Screenreader, sondern auch was Inhaltsverzeichnisse und den HTML-Code selbst angeht.
9. Inhaltsverzeichnisse für mehr Übersicht einblenden
Wo wir gerade beim Thema Inhaltsverzeichnis sind. Auch die tragen zu mehr Barrierefreiheit bei, indem sie schon vorab eine Übersicht über die eigentlichen Inhalte gewähren. Inhaltsverzeichnisse sollten dabei klar erkennbar als solche angezeigt werden. Versteckt den Inhalt nicht zwischen den verschiedenen Elementen, blendet ihn nicht in Form kryptischer Buttons oder Texte ein und aus, zeigt das Inhaltsverzeichnis einfach und entsprechend korrekt an. Das hilft am meisten, es muss auch nicht schön aussehen.
Wikipedia ist das beste Beispiel für funktionierende, gut sichtbare und dargestellte Inhaltsverzeichnisse. Schaut euch das also ruhig beim Vorbild ab. Kaum ein Portal muss derart viele Informationen entsprechend sinnvoll aufzeigen. Wikipedia gelingt dies unter anderem, weil über jedem Beitrag der Inhalt klar ersichtlich ist. Das hilft zudem dabei, schon vorab die für einen selbst interessanten Themen zu finden und per Klick direkt anzuspringen.
10. Künstliche Intelligenz für mehr Barrierefreiheit nutzen
Künstliche Intelligenz wird nicht einfach so verschwinden, sie ist gerade erst so richtig bei den Nutzern angekommen. Für die Barrierefreiheit kann das etwas Gutes sein, wenn sie entsprechend eingesetzt wird. KI kann insbesondere automatisch lange Texte als Audio-Version integrieren. Oder aber aus Audio-Versionen und Podcasts automatisiert entsprechende Transkripte erstellen. Untertitel in Videos werden heute schon, in so gut wie jedem Social Media Clip, vollautomatisch von einer KI erzeugt.
All das war erst der Anfang von etwas, was unweigerlich noch viel größer werden wird. Künstliche Intelligenz hat viel Potenzial, die Zugänglichkeit noch einmal deutlich zu verbessern. Sie muss dafür aber natürlich auch bewusst eingesetzt werden. Wie KI schon jetzt die Barrierefreiheit erhöhen kann, habe ich in meinem Artikel dazu bereits aufgezeigt. Lest euch diesen unbedingt durch, wenn ihr euch für das Thema interessiert.
Barrierefreiheit will beständig überprüft werden
Was euch klar sein muss, ist, dass Barrierefreiheit keine einmalige Sache ist. Speziell mein letzter Punkt, also der mit der KI, zeigt deutlich auf, dass sich auch die Möglichkeiten für Barrierefreiheit beständig weiterentwickeln. Die neuen Trends für mehr Zugänglichkeit sollte also niemand verschlafen, der ein ernsthaftes Interesse daran hat, die Barrierefreiheit auf seiner WordPress Website zu verbessern.
Toll ist, dass das Thema heutzutage keine Seltenheit mehr geworden ist. Vielmehr gibt es ein großes Bewusstsein dafür, dass eben nicht alle Besucher gleicher Art sind. Vor allem aber, dass auch die Besucher mit Defiziten nicht einfach ausgeschlossen werden sollten. Nicht nur, weil das fair und menschlich ist, sondern auch, weil diese eine ganz eigene Zielgruppe darstellen, die häufig unterschätzt werden.
Wer schon vieles an seinem WordPress Blog optimiert hat, kann hier also neue Leser oder Kunden gewinnen. Prinzipiell solltet ihr aber von Anfang an darauf achten, dass eure WordPress Websites für alle Arten von Besuchern erreichbar gehalten wird. Ich hoffe, meine 10 Tipps und Tricks dazu haben euch geholfen, genau das zu erreichen. Wenn nicht, worauf wartet ihr denn noch?
Vorsicht bei Barrierefreiheits-Overlays
Vielleicht seid ihr schon über Tools gestolpert, die mit einem Klick für Barrierefreiheit sorgen wollen – ein kleines Symbol in der Ecke, das Kontraste ändert oder die Schrift vergrößert. So verlockend das klingt: Diese Overlays lösen das Problem nicht.
Sie legen nur eine Schicht über eure Website, statt die eigentlichen Barrieren im Code zu beheben. Menschen, die auf Screenreader oder andere Hilfstechnologien angewiesen sind, lehnen solche Widgets größtenteils ab – oft stören sie die Werkzeuge sogar, die diese Menschen ohnehin schon nutzen. Und rechtlich geben sie euch eine falsche Sicherheit: Eine WCAG- oder EAA-konforme Seite entsteht dadurch nicht.
Echte Barrierefreiheit passiert dort, wo die Barrieren sitzen – im HTML, im Design und in der Bedienbarkeit. Genau deshalb setzen wir auf saubere Umsetzung statt auf ein aufgesetztes Widget.